Der Knaller
Es war einmal ein junger Mann, der sich komplett schwarz anzog und zwei Holster für Raketen bastelte. Auf dem Rücken hatte er sich einen schwarzen Rucksack geschnallt – einen Rucksack voller Sprengstoff. Der Mann trug Handschuhe und lief die Geibelstraße entlang, hin zum Maschsee, wo die Hannoveraner das neue Jahr begrüßten. Der Mann feuerte wie eine Maschine seine Raketen ab ab und schmiss seine Böller in alle Richtungen. Er böllerte sich in den Wahn und er liebte es. Wie immer war er allein unterwegs, allein in seiner Uniform, allein mit seinen Raketen. Komischer Kerl, dachte ich, und hielt mich fern von dem.
Zehn Jahre zuvor: Ich sitze mit F. und F. bei Familie K. Wir zocken und trinken Smirnoff Ice. Anbei ist ein anderer Kerl, dessen Namen ich vergessen habe. Er ist schweigsam und seltsam. Er trägt einen schwarzen Hoodie – ich weiß es aber nicht mehr genau. Um Mitternacht geht's endlich raus, der Namenlose kann loslegen. Wirft einen Böller nach dem anderen auf die vereiste Straße, unter die Autos, in die Gullys. Wumms! Peng! Rumms! Er ist so glücklich. Es ist kalt, es riecht nach Rauch. «Frohes Neues!», trällern die besoffenen Nachbarn, die ich nicht kenne. Die Kälte schneidet in die Haut.
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