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Wir haben doch keine Zeit
Niemand hat Zeit! Oder nur ganz wenig. Deshalb habe ich auf dieser Website eine neue Funktion eingebaut: Sie informiert bei jeder Short Story über die ungefähr nötige Lesezeit. Eilige Leserinnen können also überlegen, ob sie drei Minuten ihres Alltags entbehren können, um etwa Marnie liest keine Türen zu lesen. Die dafür nötige Formel lautet übrigens ganz einfach Wortanzahl / 200. Im Schnitt lesen Leute nämlich diese 200 Wörter pro Minute.
Der Knaller
Es war einmal ein junger Mann, der sich komplett schwarz anzog und zwei Holster für Raketen bastelte. Auf dem Rücken hatte er sich einen schwarzen Rucksack geschnallt – einen Rucksack voller Sprengstoff. Der Mann trug Handschuhe und lief die Geibelstraße entlang, hin zum Maschsee, wo die Hannoveraner das neue Jahr begrüßten. Der Mann feuerte wie eine Maschine seine Raketen ab ab und schmiss seine Böller in alle Richtungen. Er böllerte sich in den Wahn und er liebte es. Wie immer war er allein unterwegs, allein in seiner Uniform, allein mit seinen Raketen. Komischer Kerl, dachte ich, und hielt mich fern von dem.
Zehn Jahre zuvor: Ich sitze mit F. und F. bei Familie K. Wir zocken und trinken Smirnoff Ice. Anbei ist ein anderer Kerl, dessen Namen ich vergessen habe. Er ist schweigsam und seltsam. Er trägt einen schwarzen Hoodie – ich weiß es aber nicht mehr genau. Um Mitternacht geht's endlich raus, der Namenlose kann loslegen. Wirft einen Böller nach dem anderen auf die vereiste Straße, unter die Autos, in die Gullys. Wumms! Peng! Rumms! Er ist so glücklich. Es ist kalt, es riecht nach Rauch. «Frohes Neues!», trällern die besoffenen Nachbarn, die ich nicht kenne. Die Kälte schneidet in die Haut.
Neu hier? Das sind meine Lieblingstexte
Hallo. Falls du auf diese Website gestoßen bist: willkommen! Hier veröffentliche ich Short Storys. Das sind derzeit meine Lieblingsgeschichten:
- Liebe mit drei Buchstaben
- Marnie liest keine Türen
- [unleserlich]
- Frühstück für eine Leiche
- Nicht jeder erbt ein Schloss
Die Liste erleichtert vielleicht den Einstieg. Komm oft wieder, ich veröffentliche regelmäßig neue Inhalte. Ich küsse deine Augen.
Der Klang des Morgens
Entwurf. Seit Montag galt die Pflicht, «Guten Morgen» zu sagen. Das hatte die Geschäftsführung so verfügt. Was in anderen Firmen selbstverständlich war, bedurfte bei der Deutschen Stahlseile-Vertriebsgesellschaft mbH einer Arbeitsanweisung. Es sei bei der Begrüßung stets auf eine «deutliche Fröhlichkeit in der Sprachmelodie» zu achten, hieß es in der E-Mail, die an sämtliche Mitarbeiter gegangen war.
Am Wochenende übten die Angestellten und Arbeiter vor ihren Spiegeln: «Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen!» Sie fragten ihre Ehepartner, Mütter und Freunde: «Klingt das überzeugend?»
Dieter Roller hatte niemanden, den er fragen konnte, also filmte er sich mit seiner alten Panasonic-Videokamera, in deren Eingeweide eine SVHS-Kassette schnurrte. (...)
Der Kollege
Irgendein Kollege ist immer furchtbar. Umso schlimmer, wenn genau der zum neuen Bürokollegen wird. Da sitzt er also, Herr Schlicht, weil er der Hölle entkommen ist. Mordgedanken helfen, die Situation zu ertragen.